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Stipendienprogramm
Forscherin schließt Forschungsaufenthalt zum Jugendstrafrecht ab

Erste Stipendiatin des neuen Austauschprogramms in Bayern

 

München / Ulaanbaatar, November 2025 – Als erste Stipendiatin des von der Bayerischen Staatskanzlei geförderten Stipendienprogramms für Forschungsaufenthalte in den Bereichen Recht und Umwelt hat Frau Odontuya Norov, Programme Lead der International Development Law Organization (IDLO), einen zweimonatigen Forschungsaufenthalt in Bayern abgeschlossen. Ihr Schwerpunkt lag auf dem evidenzbasierten deutschen Jugendstrafrecht. Betreut wurde sie von Dr. Laurent Lafleur, Richter und Pressesprecher des Landgerichts München I.

 

Ein System, das auf Wissenschaft und Entwicklungspsychologie basiert

Während ihres Aufenthalts führte Frau Norov Gespräche und institutionelle Besuche bei bayerischen Jugendgerichten, Staatsanwaltschaften, Bewährungshilfe, Jugendämtern sowie sozialen Einrichtungen durch. Ihr Forschungsinteresse galt der Frage, wie Deutschland Erkenntnisse aus Kriminologie, Entwicklungspsychologie und Sozialpädagogik systematisch in die gerichtliche Praxis nach dem Jugendgerichtsgesetz (JGG) einbindet.

Ein Jugendrichter fasste das Leitprinzip so zusammen:

„Es ist normal, dass junge Menschen Fehler machen. Unsere Aufgabe ist es, ihre Entwicklung zu verstehen und ihnen den Weg zurück in die Gesellschaft zu ermöglichen.“

Das deutsche Jugendstrafrecht setzt daher primär auf Erziehung, Prävention und Reintegration anstatt auf punitive Maßnahmen. Einschätzungen zu Reife, persönlicher Entwicklung, sozialem Umfeld und individuellen Belastungen spielen eine zentrale Rolle in der gerichtlichen Bewertung.

Relevanz für das neue Familien- und Jugendgericht der Mongolei

Die Mongolei bereitet die Einführung des Spezialisierten Familien- und Jugendgerichts im Jahr 2026 vor. Das Justizministerium hat im November 2025 einen Entwurf des neuen Verfahrenskodex dem Parlament vorgelegt – unterstützt durch HSS, IDLO und weitere nationale Institutionen.

Die Ergebnisse des Forschungsaufenthalts bieten wertvolle Impulse. Im kommenden Policy Paper von Frau Norov werden u.a. folgende Aspekte behandelt:

  • kindgerechte und verständliche Verfahrensgestaltung
  • Einbindung psychologischer und sozialer Begutachtungen
  • Diversions- und Restorative-Justice-Modelle
  • institutionenübergreifende Zusammenarbeit (Polizei, Staatsanwaltschaft, Jugenddienste, Schulen)
  • Programme zur Rehabilitation und Reintegration junger Straftäter

Diese Empfehlungen werden 2026 in Workshops mit dem Justizministerium, dem Obersten Gericht, der Generalstaatsanwaltschaft, der Justizakademie sowie zivilgesellschaftlichen Partnern erörtert.

Stärkung des institutionellen Austauschs zwischen Bayern und der Mongolei

Der Forschungsaufenthalt ist Teil des breiteren Austauschprogramms der Bayerischen Staatskanzlei, das folgende Komponenten umfasst:

  • Kurzstipendien und Forschungsaufenthalte in Bayern
  • Deutschkurse (A1–B2) für Studierende und junge Fachkräfte
  • gemeinsame Seminare, Publikationen und akademische Kooperationen

„Die Forschung von Odontuya Norov zeigt, wie vergleichende Rechtswissenschaft direkt zur Weiterentwicklung des Jugendstrafrechts in der Mongolei beitragen kann,“ sagte Felix Jonathan Glenk, Repräsentant der HSS Mongolei.
„Ihre Arbeit bringt wissenschaftliche Perspektiven und internationale Best Practices in die Debatten über Kinderschutz und Rehabilitation ein.“

Nächste Schritte

Anfang 2026 wird Frau Norov ihre Forschungsergebnisse mit zentralen mongolischen Institutionen teilen und damit die Entwicklung kindgerechter, entwicklungsorientierter Verfahrensstandards unterstützen. Zudem wird ihre Studie in der ZDER-Fachzeitschrift Continental Law veröffentlicht und zur wissenschaftlichen Debatte über evidenzbasiertes Jugendstrafrecht beitragen.